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2008 Der Bockerer

Karl Bockerer, Besitzer einer Metzgerei in einem Wiener Vorstadtbezirk, kann die Begeisterung seiner Frau und seines Sohnes Hans beim Einmarsch der deutschen Truppen im Jahr 1938 nicht verstehen. Vom Nationalsozialismus will er nichts wissen, dass er am selben Tag wie Hitler Geburtstag hat, ist ihm eher peinlich. Ein Hitlerbild in der Auslage ist in seinen Augen unnötig, denn “…da liegt ja schon ein Schweinskopf”. Der aufrechte Metzgermeister versteht auch nicht, warum sein jüdischer Tarok-Partner Dr. Rosenblatt Hals über Kopf das Land in Richtung USA verlässt. Erst als ein Freund von ihm nach Dachau verschleppt wird und dort im KZ umkommt, beginnt Bockerer die ganze Unmenschlichkeit der Nazi-Ideologie zu begreifen.

Er selbst aber bleibt ungeschoren, sein rebellisches Verhalten beim Verhör hat ihn in den Augen der Nazischergen zum Idioten gestempelt, harmlos aber irre. Mit dem Freibrief des Verrückten überlebt Bockerer alle Schrecken des Tausendjährigen Reiches. Als Rosenblatt 1945 in amerikanischer Uniform nach Wien zurückkehrt, nimmt man die friedlichen Tarok-Runden wieder auf.